
Gjenc Nikollbibaj
Gründer
10. Oktober 2026
•10 Min. Lesezeit
Teil von Social Recruiting & Performance Recruiting für Schweizer KMU: Leitfaden, Praxis und Tools
Azubis finden 2027: Fast jeder zweite Betrieb bleibt auf Ausbildungsplätzen sitzen – so erreichen KMU Bewerber über Instagram und Facebook
So viele unversorgte Bewerber wie seit Jahren nicht, und trotzdem leere Ausbildungsplätze: Warum das vor allem ein Sichtbarkeitsproblem ist, welche Regeln Meta für Ausbildungsanzeigen setzt und wie eine Kampagne für den Ausbildungsstart 2027 aussieht.
Sie haben die Ausbildungsstelle bei der Agentur für Arbeit gemeldet, auf Ihrer Website veröffentlicht und vielleicht noch eine Ausbildungsbörse gebucht. Im August war der Platz trotzdem leer. Damit sind Sie nicht allein: Laut DIHK-Ausbildungsumfrage 2026 (n = 14.058 Betriebe) konnte fast jeder zweite IHK-Ausbildungsbetrieb 2025 nicht alle Ausbildungsplätze besetzen – 49 Prozent. Jeder vierte davon hat keine einzige Bewerbung erhalten. Gleichzeitig gingen so viele junge Menschen leer aus wie lange nicht: Zum 30. September 2025 zählte das BIBB 39.900 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber, 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Freie Plätze und Suchende finden also nicht zusammen. Unsere These: Wer 2026 Azubis finden will, hat weniger ein Nachwuchsproblem als ein Sichtbarkeitsproblem. Jugendliche verbringen knapp vier Stunden täglich am Smartphone (JIM-Studie 2025), aber kaum ein Kleinbetrieb ist dort mit seinem Ausbildungsplatz präsent. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Azubis über Social Media finden – und wo die Grenze liegt, über die kaum jemand spricht: Ausbildungsanzeigen auf Facebook und Instagram erreichen in Europa nur Menschen ab 18.
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Kostenlos startenAzubis finden 2026: Warum fast jeder zweite Betrieb leer ausgeht
Die DIHK befragt jedes Jahr die IHK-Ausbildungsbetriebe. Die Zeitreihe zeigt, wie sich das Problem verfestigt hat: 2015 konnten 31 Prozent der Betriebe nicht alle Ausbildungsplätze besetzen, 2021 waren es 42 Prozent, 2022 47 Prozent, 2023 49 Prozent, 2024 48 Prozent und 2025 wieder 49 Prozent. Seit dem Ende der Corona-Krise hat sich ein hohes Plateau gebildet. Neu ist das Problem also nicht – aber es geht auch nicht mehr weg. Besonders hart trifft es kleine Betriebe. Bei Kleinstbetrieben mit weniger als zehn Mitarbeitenden hat sich der Anteil mit Besetzungsproblemen seit 2018 von 20 auf 47 Prozent mehr als verdoppelt. Die DIHK weist auf einen wichtigen Punkt hin: Wer nur ein oder zwei Ausbildungsplätze anbietet, hat bei einer einzigen Absage gleich eine Nicht-Besetzungsquote von 50 oder 100 Prozent – und läuft Gefahr, ganz als Ausbildungsbetrieb auszufallen. Nach Branchen liegen Industrie (59 Prozent), Verkehr und Logistik (55 Prozent), Bau und Handel (je 53 Prozent) über dem Durchschnitt. Woran es scheitert. 65 Prozent der Betriebe mit Besetzungsproblemen nennen fehlende oder ungeeignete Bewerbungen als Grund. 24 Prozent haben überhaupt keine Bewerbung bekommen – immerhin weniger als 2022 (37 Prozent). Zwei Probleme wachsen dagegen: 17 Prozent verlieren Azubis durch eine Vertragslösung in der Probezeit (2024: 10 Prozent), 10 Prozent berichten von „Azubi-Ghosting“, also zugesagten Azubis, die nie antreten. Und 7 Prozent hatten passende Bewerbungen, aber die Ausbildung kam wegen weiter Wege oder fehlendem bezahlbaren Wohnraum nicht zustande. Die Reaktion vieler Betriebe ist Rückzug. 29 Prozent bieten 2026 weniger Ausbildungsplätze an als im Vorjahr (2025: 26 Prozent), nur 13 Prozent mehr. Das passt zur schwachen Konjunktur: Die Bundesagentur für Arbeit meldet für September 2026 eine Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent, saisonbereinigt stieg die Arbeitslosigkeit sogar um 12.000. Und dann das Paradox. Laut BIBB-Bilanz zum 30. September 2025 wurden 475.950 neue Ausbildungsverträge geschlossen (−2,1 Prozent). 54.400 Ausbildungsstellen blieben unbesetzt – 21,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber um 28 Prozent auf 39.900. Bei der Agentur für Arbeit meldeten sich 2024/25 drei Prozent mehr Bewerber, getrieben von ausländischen Bewerberinnen und Bewerbern (+16,2 Prozent). Es gibt also weniger offene Plätze und mehr Suchende – und trotzdem bleibt jeder zweite Betrieb auf Plätzen sitzen. Die DIHK nennt das zentrale Problem selbst: das Matching. Suchende und Betriebe finden regional und beruflich nicht zusammen. Viele Jugendliche bewerben sich gar nicht erst bei Ihnen, weil sie nie erfahren, dass es Ihren Ausbildungsplatz gibt. Genau hier setzt Social Recruiting an. Mehr zum Grundprinzip lesen Sie in Social Recruiting im Überblick.
Wo Azubis heute zu finden sind – und welche Regeln Meta für Ausbildungsanzeigen setzt
Die JIM-Studie 2025 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest zeigt, wo junge Menschen ihre Zeit verbringen: Die durchschnittliche Smartphone-Bildschirmzeit der 12- bis 19-Jährigen liegt bei knapp vier Stunden täglich, bei den 18- bis 19-Jährigen bei über viereinhalb Stunden. WhatsApp ist mit Abstand die wichtigste App, danach folgen Instagram, Snapchat und TikTok. Ausbildungsbörsen und die Jobbörse der Agentur für Arbeit erreichen dagegen vor allem Jugendliche, die schon wissen, welchen Beruf sie suchen. Wer noch unentschlossen ist, tippt „Ausbildung Industriemechaniker Landkreis Kassel“ nie in eine Suchmaske. Genau diese Gruppe sehen Sie auf Instagram und Facebook: Die Anzeige erscheint zwischen Stories und Reels, im Umkreis Ihres Betriebs, bei Menschen, die gar nicht aktiv gesucht haben. Das ist derselbe Mechanismus, der Social Recruiting bei Fachkräften stark macht – nur dass Azubis noch stärker auf dem Smartphone leben. Die Regel, über die kaum jemand spricht. Seit dem 7. Dezember 2021 müssen Werbetreibende, die in Europa Anzeigen zu Beschäftigungsangeboten schalten, diese bei Meta als Sonderkategorie „Beschäftigung“ deklarieren. Für solche Anzeigen gelten laut Metas Marketing-API-Dokumentation feste Vorgaben: - Das Alter ist auf 18 bis 65+ festgelegt. - Ein Geschlecht kann nicht ausgewählt werden. - Um jede gewählte Stadt oder Adresse gilt in Europa ein Mindestradius von 15 Kilometern, Orte ausschließen geht nicht. - Lookalike Audiences sind nicht verfügbar, Interessen nur aus einer freigegebenen Liste. Nach Metas Werberichtlinien zählen zu Beschäftigungsangeboten ausdrücklich auch Praktika. Für eine bezahlte Ausbildungsstelle sollten Sie deshalb davon ausgehen, dass die Regeln greifen. Dazu kommt: Seit 2023 nutzt Meta für Werbung an unter 18-Jährige ohnehin nur noch Alter und Standort. Was das praktisch bedeutet. Mit bezahlten Ausbildungsanzeigen erreichen Sie auf Facebook und Instagram keine 16-jährigen Realschüler. Sie erreichen aber eine Gruppe, die viele Betriebe unterschätzen: - Abiturientinnen und Abiturienten, die zwischen Studium und Ausbildung schwanken - Studienabbrecher, die etwas Praktisches suchen - Quereinsteiger und Ältere, die eine erste oder zweite Ausbildung machen wollen - Ausländische Bewerberinnen und Bewerber – laut BA-Zahlen die am stärksten wachsende Gruppe (+16,2 Prozent) - Eltern, die bei der Berufswahl ihrer Kinder mitreden und Links per WhatsApp weiterleiten Für alle unter 18 brauchen Sie einen zweiten Weg: ein Instagram-Profil, das Ihre Azubis selbst bespielen, Schulkooperationen und Praktika. Bezahlte Anzeigen und organischer Content ergänzen sich – sie ersetzen sich nicht. Warum die Anzeige wichtiger ist als die Zielgruppe. Weil Alter, Geschlecht und Lookalikes wegfallen, entscheidet Metas Algorithmus anhand der Reaktionen, wem er Ihre Anzeige zeigt. Damit wird das Motiv zum wichtigsten Hebel: Ein echtes Handyvideo aus Ihrer Werkstatt sortiert Ihr Publikum besser vor als jede Zielgruppen-Einstellung.
Schritt für Schritt: Ihre Azubi-Kampagne für den Ausbildungsstart 2027
- Jetzt starten, nicht im Frühjahr. Das Berichtsjahr der Ausbildungsmarktstatistik beginnt am 1. Oktober. Wer im August oder September 2027 einen Azubi an der Hobelbank stehen haben will, sollte im Herbst 2026 sichtbar sein und die Kampagne in Wellen bis ins Frühjahr laufen lassen.
- Den Ausbildungsplatz aus Azubi-Sicht beschreiben. Nennen Sie die Ausbildungsvergütung pro Lehrjahr, die Arbeitszeiten, den Weg zum Betrieb und was nach der Ausbildung passiert. Laut DIHK übernehmen rund zwei Drittel der Betriebe alle ihre Absolventen – sagen Sie es, wenn das bei Ihnen gilt.
- Ein echtes Video statt Stockfoto. 15 bis 30 Sekunden im Hochformat, gefilmt von Ihren aktuellen Azubis mit dem Handy. „Mein erster Monat als Anlagenmechaniker bei …“ wirkt glaubwürdiger als jedes Imagevideo. Die ersten drei Sekunden entscheiden, ob jemand weiterschaut.
- Bewerbung in unter zwei Minuten. Kein Anschreiben, kein Lebenslauf-Upload als Pflicht. Name, Telefonnummer, Schulabschluss, Wunsch-Starttermin – fertig. Wer mit 18 auf dem Handy erst ein PDF suchen muss, bricht ab.
- Den Radius ehrlich wählen. Meta verlangt mindestens 15 Kilometer. Ziehen Sie den Kreis so, wie Ihre Azubis tatsächlich pendeln können, und nennen Sie in der Anzeige Bus- oder Bahnanbindung, Fahrtkostenzuschuss oder Hilfe bei der Wohnungssuche. Laut DIHK scheitern 7 Prozent der Fälle mit Besetzungsproblemen an weiten Wegen oder fehlendem Wohnraum.
- Innerhalb von 48 Stunden zurückmelden. Rufen Sie an oder schreiben Sie per WhatsApp, laden Sie zum Probearbeiten oder zu einem Praktikumstag ein. Wer bei Ihnen eine Woche auf Antwort wartet, hat in der Zwischenzeit drei andere Zusagen.
- Bis zum Start in Kontakt bleiben. Zwischen Zusage im Winter und Ausbildungsstart im Sommer liegen Monate. Ein Kennenlerntag, eine WhatsApp-Gruppe mit dem künftigen Team oder ein Ferienjob senken das Risiko von Ghosting und Abbrüchen in der Probezeit – beides steigt laut DIHK.
Tipp: Bitten Sie Ihren aktuellen Azubi, mit dem Handy 20 Sekunden aus seinem Arbeitstag zu filmen. Dieses Video ist für Ihre Anzeige mehr wert als jedes professionelle Imagevideo – und es kostet nichts.
Der Ausbildungsmarkt hat 2026 kein reines Nachwuchsproblem. Er hat ein Sichtbarkeitsproblem: Die Jugendlichen sind auf dem Smartphone, die Ausbildungsplätze auf Seite vier einer Börse.
So finden Sie Azubis mit heyFinn
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